Gebäude 02

Architekt: Professor Günther Gottwald Berlin
4geschossiges Wohnhaus
Klopstockstraße 13-17, "Zeilen"-Hochhaus

Das Haus liegt im Westen des Hansaviertels zwischen der Klopstockstraße und der Bahntrasse; seine Längsachse verläuft in Ost-West-Richtung, so dass es nach Norden und Süden orientiert ist. Das voll unterkellerte Gebäude ist 55,65 m lang, 12,88 m breit und 13 m hoch. Auf den Fundamenten sind 4 Vollgeschosse in Stahlbetonkonstruktion errichtet. Die Querwände, die zugleich Wohnungstrennwände sind, ziehen sich als Scheiben von Süden nach Norden durch den ganzen Baukörper (Scheibenbauweise). Auf der Nordseite, also an der Bahntrasse, liegen die drei Zugänge des Hauses, von denen aus die Treppen parallel zur Außenwand bis in die Obergeschosse führen. Die Treppen sind also nicht durch Podeste unterbrochen, sie sind ,,einläufig". Die ganze Wohnzeile besteht folglich aus drei Einheiten, von denen die beiden äußeren als Drei-, die mittlere als Zweispänner gebaut sind. Die Giebelwände sind 31,25 cm, die Querwände 25 cm dick.

Wohnungen: Je Geschoss sind acht Wohnungen, insgesamt also 32, gewonnen worden. Nach der Wohnfläche gliedern sie sich wie folgt: 16 mit 69,59 qm, 8 mit 38,66 qm, 8 mit 53,93 qm. Es sind folglich Einheiten für 1 bis 2 Betten, 2 bis 3 Betten und 2 bis 4 Betten. Folgende Grundgedanken standen beim Bau des Hauses im Vordergrund: In Anlehnung an ein schwedisches Verfahren wurde so weit wie möglich Holz als Baustoff verwandt. Nicht nur die Trennwände zwischen den Räumen einer Wohnung sind aus Holz, sondern auch die Außenwände hat man im Süden ganz und im Norden zum Teil mit Holz ausgefacht. Ferner sollte die Wohneinheit - abgesehen von Küche und Bad - dem Mieter so weit wie möglich als ungeteilte Fläche übergeben werden, so dass dieser durch den Einbau leicht versetzbarer Zwischenwände die Möglichkeit hat, den ihm jeweils zusagenden Grundriss zu verwirklichen.

Nach diesem Prinzip der ungeteilten Wohnfläche sind in dem Haus sechs Wohnungen gebaut worden. Die versetzbaren geschosshohen Trennwände sind etwa 6 cm dick und doppelschalig. Zwischen den beiden Sperrholztafeln liegt eine Isoliermasse, so dass die Wände allen Anforderungen der Schall- und Wärmedämpfung entsprechen. Durch ein Gewindesystem werden sie gegen Decke und Fußboden gedrückt und untereinander verkeilt. Dieses System bedingt unterschiedliche Deckenkonstruktionen. Die Decken zwischen den Wohnungen mit versetzbaren Wänden bestehen, da sie dem Druck der Verkeilung standhallen müssen, aus Vollbeton, bei den übrigen hat man Stahlbeton-Rippendecken gewählt.

Küchen und Innenbäder können nicht verändert werden. Kochnischen und Küchen sind mit Einbaumöbeln ausgestattet. Zu jeder Wohnung gehört ein auf der Rückseite liegender Balkon, dessen Brüstung mit Asbestzementplatten verkleidet war. Im Süden bestehen die Außenwände aus doppelschaligem Holz, das eine lsolierschicht umschließt.

Statik: Statisches Büro der Firma Christian Oelting
Prüfingenieur: Dr.- Ing. Max Hannemann (Berlin)
Örtliche Bauleitung: Heinz Weber (Berlin)
Gartengestaltung: Renè Pechère (Brüssel) und
Hermann Mattern (Kassel)

GÜNTHER GOTTWALD
Günther Gottwald, geb. 1907 in Budweis. 1935 Studienabschluss der Architektur in Graz. Ab 1938 Mitarbeit im Büro von Herbert Rimpl in Berlin. Später Leiter der Prüfstelle für die wirtschaftliche Planung von Industriebauten. Ab 1945 gemeinsam mit Gerhard Weber Beschäftigung mit neuen Baumethoden in Frankfurt am Main. Realisierung des Schuldorfes Bergstrasse, Frankfurter Kleinmarkthalle, mehrere Einfamilienhäuser. Ab 1952 Lehrstuhl für Industriebau an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Von 1953 bis 1956 Leitung der Abteilung Architektur an der Hochschule für bildende Kunst.