Gebäude 07

Einkaufszentrum – Zinsser, Plarre
Architekten: Professor Ernst Zinsser, Hannover
und Hansrudolf Plarre, Berlin
Ehemaliges Kino/Gripstheater, Restaurant, Ladenzeile

Mit dem nördlichen Zugang zum U-Bahnhof ist eine Gebäudegruppe verbunden, die eine Art Versorgungszentrum bildet und ein Kino, ein Restaurant, eine Ladenzeile, eine öffentliche Bedürfnisanstalt und einen Stützpunkt der damaligen Bewag (Elektrizitätswerke) enthält. Die Bauteile gruppieren sich um einen Innenhof; sie sind durch ein Flachdach verbunden, das die Durch- und Zugänge zu den einzelnen Bauteilen überdeckt. Das Dach - es ist aus Stahl und Beton und hat eine Holzschalung auf der Unterseite - öffnet sich in der Mitte der Anlage um den Lichthof. Die Außenwände aller Gebäude sind mit weißglasierten keramischen Platten verkleidet, der Fußbodenbelag besteht aus Betonsteinplatten.

Die südliche Seite des Hofes nimmt der U-Bahn-Eingang ein. Daran schließt sich nach Westen das Restaurant mit einem Speise- und einem Klubraum an. Sechs große Versenkfenster öffnen den Speiseraum auf der Südseite auf eine Terrasse für rund 200 Gäste.

Bei einer Grundfläche von 300 qm und einer Höhe von 5 m beläuft sich der umbaute Raum des Restaurants auf insgesamt 2200 cbm. Unmittelbar mit dem Restaurant verbunden, lag nördlich von diesem ein Kino mit 500 Plätzen. Die Kinoeingänge mit dem Kassenraum befanden sich auf der Ostseite, die Ausgänge führen – auf der entgegengesetzten Seite - auf die Altonaer Straße.

Das damalige Kino hatte eine Grundfläche von 540 qm. Es war 8 m hoch; der umbaute Raum beträgt 5660 cbm. Heute ist dort das Gripstheater beheimatet.

Auf der Nordseite des Kinos schließt der Stützpunkt der Elektrizitätswerke an. Im Süden bildeten Kioske für Zeitungen, Tabakwaren usw. den Abschluss des Hofes, an der Rückseite lag die längst geschlossene Bedürfnisanstalt. Nach Osten wird die Anlage durch eine Ladenzeile über einer Grundfläche von 600 qm ergänzt. Diese Zeile hat mit 3 m die gleiche Höhe wie das Restaurant. Ihr umbauter Raum beträgt 4100 cbm.

Statik: Prof. Dipl. Ing. R. von Halasz (Berlin)
Bauleitung: Architekt Dipl. Ing. Hansrudolf Plarre (Berlin)
Gartengestaltung: Gartenarchitekt Gustav Lüttge (Hamburg)
und Prof. Pietro Porcinai (Florenz)

ERNST ZINSSER
UND
HANS RUDOLF PLARRE
Ernst Zinsser
(*26. Juni 1904 in Köln; †16. Dezember 1985 in Hannover)
Studium in Dresden, Danzig und Karlsruhe. Studienabschluß 1929. Zwei Jahre Assistent am Lehrstuhl für Bauformenlehre der Antike. Danach dreijährige Ausbildung in der Preußischen Staatsbauverwaltung, die er als Regierungsbaumeister abschloß. Ab 1934 war Z. als freischaffender Architekt in Berlin und ab 1939 in Hannover tätig. 1949 wurde er als ordentlicher Professor für Entwerfen und Gebäudekunde an die Technische Hochschule berufen. Seine Bautätigkeit umfasste alle Gebiete des Bauwesens: Industriebau, Verwaltungsbau, Geschäftshäuser, Wohnungsbau, Kirchen und Schulen. Als Beispiele seien das Landwirtschaftsministerium in Kiel, die GEHA-Werke in Hannover und die Friedenskirche in Ludwigshafen genannt.

Hansrudolf Plarre
geboren 1922 in Hamburg. Studium an der Technischen Hochschule Dresden, das aufgrund des Krieges erst 1948 an der TH in Berlin Charlottenburg abgeschlossen wurde. 1949 wurde er dort Assistent für Entwerfen von Hochbauten und Perspektive bei Hans Freese. Mit dem ersten Preis im Wettbewerb für das Französische Gymnasium in Berlin und dessen Ausführung begann sein praktisches Wirken. Im Zusammenhang mit diesem Auftrag entstanden weitere Bauten für die französischen Alliierten in Berlin sowie das Max-Planck-Gymnasium in Düsseldorf.