Gebäude 12

Architekt: Prof. Dr.-Ing. Hans Schwippert, Düsseldorf
16geschossiges Wohnhaus
Bartningallee 16, "Punkt"-Hochhaus

Lage: Das östlichste in der Reihe von fünf Punkthäusern, die das Hansaviertel im Norden begrenzt. Unmittelbar am Rande des Tiergartens gelegen.

Konstruktion: Schwippert hat auf die bei Hochhäusern oft angewandte Skelettkonstruktion aus Stahlbeton verzichtet, bei der die Lasten von schlanken Betonstützen aufgenommen werden. Tragende Elemente sind hier die Wandscheiben, die sich, 22 cm dick, durch das 50,50 m hohe Gebäude ziehen. Die Ziegelsplittbeton-Querwände sind stahlbewehrt, ebenso wie die Außenwände in Schüttbeton. Das Haus wurde in Anlehnung an eine schwedische Bauweise errichtet. Um die Wärmedämmung zu erhöhen, sind die Außenwände mit 5 cm dicken, auf der Baustelle vorgefertigten Betonplatten (mit Installationen) als verlorene Schalung belegt worden, an deren Rückseite 2 cm dicke Isolierplatten aus Schaumstoff angegossen sind. Die vorgefertigten Platten entsprechen den Geschosshöhen und den Abständen der Öffnungen. Genauso wurden die inneren 6,5 cm dicken Trennwände mit den eisernen Türzargen und Installationskanälen als Platten vorgefertigt und mit einem Kran eingefahren. Sie sind auf Isolierstreifen gestellt, um die Schallübertragung zu mindern. Neuartiges Schalungsverfahren: Der Bau ist weder innen noch außen geputzt.

Gliederung: Das Haus hat in den äußeren Abmessungen von 25,10 x 25,10 m einen quadratischen Grundriss. Das Gebäude hat über einer 80 cm dicken Stahlbeton-Fundamentplatte Kellergeschoss, Erdgeschoss mit Wohnungen und Wirtschaftsräumen, 15 Obergeschosse und einen Dachaufbau mit Maschinenräumen. In seiner Mitte liegen Treppenhaus, Personen- und Lastenaufzüge und Müllschlucker. Von einem Umgang um das Treppenhaus und um die Fahrstühle sind in den einzelnen Geschossen jeweils drei, fünf oder sechs Wohnungen erreichbar.

Wohnungen: Insgesamt 61 Wohnungen in dreierlei Typen. Um das Wohnen in einem Hochhaus zu individualisieren, wurden auch zweigeschossige Wohnungen (Maisonettes) vorgesehen. Diese kleinen, gewissermaßen selbstständigen Wohnhäuser sind neben- und übereinandergesetzt und zu einem Hochhaus “zusammengebaut“ worden. Ihren Bewohnern soll das Gefühl gegeben werden, in einem Einfamilienhaus zu leben. Insgesamt sind 26 dieser ,,Wohnungshäuser" entstanden. Ein zwei Geschosse hoher offener Freiraum, der Wohnbalkon, ist ihr Mittelpunkt, um den sich die Zimmer gruppieren. Damit wurde die "Gartenterrasse" bis in die obersten Stockwerke versetzt, so dass der Eindruck des Wohnens im Grünen noch verstärkt wird. In den Erdgeschossen, die demnach auch im 10. oder 15. Geschoss liegen können, befinden sich Wohnzimmer, Essraum und Küche, in den dazugehörigen "Obergeschossen" liegen Schlafzimmer und Bad.

Außer diesen zweigeschossigen Typen hat das Haus noch zwei weitere: einer entsteht durch Teilung des ersten Typs in zwei übereinanderliegende eingeschossige Wohnungen (25). Jede hat 1 1/2 Zimmer, Küche und Bad und ist ebenfalls um einen Wohnbalkon angeordnet. Der dritte Typ mit acht Wohnungen ist dagegen völlig anders gegliedert. In U-Form zieht sich hier die in einer Ebene liegende Wohnung um einen großen, lang gestreckten Balkon. Sie hat Wohnzimmer, drei Schlafräume, Küche und Bad.

Statik: Dipl.-Ing. Werner Hoepfner (Berlin)
Prüfingenieur: Rudolf Bräuer(Berlin)
Bauleitung: Architekt Alfred Busse (Berlin)
Gartengestaltung: Gustav Lüttge (Hamburg)
und Professor Pietro Porcinai (Florenz)

HANS SCHWIPPERT
Hans Schwippert (* 25. Juni 1899 in Remscheid, † 18. Oktober 1973 in Düsseldorf) war Architekt.
Nach dem Ersten Weltkrieg studierte Schwippert Architektur in Hannover, Darmstadt und Stuttgart. 1925 war er im Atelier von Erich Mendelsohn in Berlin tätig, wo er auch Ludwig Mies van der Rohe kennen lernte. 1927 wurde er an die Werkkunstschule in Aachen berufen.
1945 zog Schwippert nach Düsseldorf und wurde zu einem viel gefragten Architekten des Wiederaufbaus in Deutschland: Bundeshaus in Bonn (1949), Bundeskanzleramt im Palais Schaumburg (1950) und Wiederaufbau der St. Hedwigskathedrale in Ostberlin (1963).
1959 wurde er an die Staatliche Kunstakademie, Hochschule für bildende Künste in Düsseldorf berufen und war daselbst bis 1965 Direktor.
Nachlass
Der schriftliche Nachlass kam 1995 in das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum.