Gebäude 13

Akademie der Künste - Düttmann
Die Akademie der Künste am Hanseatenweg 10 war nicht Bestandteil der Interbau 1957. Sie wurde 1960 fertig gestellt.
Dreiteiliger Gebäudekomplex von Werner Düttmann (1921-1983) mit Sabine Schumann. Gartenanlagen von Walter Rossow (1910-1992)

Bauherr Land Berlin
Bauzeit 1958-1960
Kosten ca. 3,7 Mio. EURO
Finanzierung: Spende Henry H. Reichhold
Eigentümer: Land Berlin
Nutzung: Akademie der Künste
Denkmalschutz: Gebäudeensemble

Der spätere Stadtbaudirektor und Präsident der Akademie der Künste Werner Düttmann konnte den amerikanischen Industriellen Henry H. Reichhold (1901-1989), einen gebürtigen Berliner, Ende der 50er Jahre für die Idee eines Neubaus für die Akademie der Künste gewinnen. Das stark zerstörte Gebäude der Preußischen Akademie am Pariser Platz lag im sowjetischbesetzten Ostteil Berlins und wurde seit 1950 von der Deutschen Akademie der Künste (später der DDR) genutzt. So erhielt die 1954 gegründete Akademie der Künste in West-Berlin mit Eröffnung des Gebäudes am 18. Juni 1960 wieder ein eigenes Domizil - mitten im Hansaviertel.. Reichhold stiftete der Stadt Berlin eine Million Dollar, die sie zurückzahlen müsste, würde sie das Haus je anders nutzen. Das Raumprogramm wurde von der Akademie der Künste aufgestellt, da es mit dem Arbeits- und Veranstaltungsprogramm korrespondieren sollte. Dies veranlasste Werner Düttmann, das Haus nicht als geschlossenen Baukörper zu gestalten, sondern es in drei Bauteile zu gliedern, deren unterschiedliche Formen dem spezifischen Charakter ihrer Inhalte Ausdruck verleihen: Ausstellungshallen, Theaterstudio und Appartementhaus mit Ateliers, Clubräumen, Bar und Büros.:

1. der hochgelegte, mit weißen Marmorkieseln belegte, der Straße und damit dem Publikum zugewandte, Ausstellungskubus mit Eingangshalle/Foyer und Gartenhof im Erdgeschoss und den über die große Treppe erschlossenen drei Ausstellungshallen im Obergeschoss, die um einen Skulpturenhof (Gräsergarten) gruppiert sind und eine Grundfläche von 2000 qm haben,

2. das mit Kupferblech gedeckte „Zelt“ des Studios mit seinen schrägen, bis zum Erdboden reichenden Dächern und

3. das dem Publikum entzogene, am Parkrand liegende, fünfgeschossige Gebäude für die interne Arbeit der Akademie mit Klub-, Konferenz- und Arbeitsräumen, Bibliothek, Ateliers und Büros der Verwaltung. Wegen seiner Putzfarbe, „blaues Haus“ genannt.
Die drei Bereiche sind durch Foyers und Glasgänge untereinander verbunden.

Das Haus erscheint besonders im Inneren durch wechselnde Raumformen, Farben und Materialien (handgestrichene Ziegel, Waschbeton mit Carrara -Marmorkiesel, Schiefer, Holz und Glas) abwechslungsreich und durch die Ausblicke in die Gartenhöfe und die Parklandschaft offen und frei. Bis heute bietet es architektonisch einmaligen Raum für die unterschiedlichen Nutzungen der Akademie.

Die Akademie der Künste ist eine internationale Künstler-Sozietät von mehr als 410 Mitgliedern in den Abteilungen Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst sowie Film- und Medienkunst.
Die Mitgliederversammlung wählt für jeweils drei Jahre einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten. Neue Akademie-Mitglieder werden in den Frühjahrs-Versammlungen hinzu gewählt.

Die Akademie nimmt öffentliche Funktionen wahr. Sie widmet sich sowohl der Vermittlung neuer künstlerischer Tendenzen als auch der Pflege des künstlerischen Erbes. Im Rahmen dieser Aufgaben veranstaltet sie unter anderem Kunst- und Dokumentationsausstellungen, Konzerte, Vorträge, Dichterlesungen, Workshops, Kolloquien, Film-, Theater- und Tanzaufführungen und vergibt Kunstpreise sowie Stipendien.

Das Gesamtensemble steht seit 1995 unter Denkmalschutz.
Im Jahr 2010 wurde der Gebäudekomplex von Brenne Architekten, Berlin denkmalgerecht energetisch saniert.

C.Schönemann AdK, Sekretär der Sektion Baukunst

WERNER DÜTTMANN
Werner Düttmann, geboren 1921 in Berlin. Studienbeginn an der Technischen Hochschule Berlin Charlottenburg, das er 1942 wegen des Krieges unterbrechen musste. 1949 beendete er sein Studium. Danach war er in der Kreuzberger Bauverwaltung und in der Berliner Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen tätig. 1951 studierte er am Institute für Town & Country-Planning Colleg der Universität Durham (England). Nach seiner Rückkehr wirkte er maßgeblich an den Entwürfen vieler öffentlicher Einrichtungen in Berlin mit, u. a. am Jugendheim Zehlendorf (1953) und Altersheim Wedding (1953/54). 1953 wurde er zum Regierungsbaurat beim Senat für Bau- und Wohnungswesen ernannt. Auch seine Beteiligung an Architekturwettbewerben war sehr erfolgreich, so z. B. mit der Pädagogischen Akademie in Paderborn, den Schulen am Karlsgarten und der Gallwitzallee in Berlin. Düttmann war auch als Maler und Grafiker tätig, sowie als Gestalter von Möbeln, Lampen und Textilien. Zusammen mit Fran Mocken war er Kontaktarchitekt des amerikanischen Architekten Hugh A. Stubbins beim Bau der Kongresshalle in Berlin (heute: Haus der Kulturen der Welt).