Gebäude 16

Architekt: Professor Max Taut, Berlin
3 geschossiges Wohnhaus
Hanseatenweg 1-3, Mehrfamilienhaus

Ebenso wie das Haus des dänischen Architekten Fisker soll auch dieses Gebäude einen Übergang zwischen der hohen und der niedrigen Bebauung bilden, die sich am Nordostrand des Hansaviertels begegnen. Städtebaulich kommt also diesen Baukörpern die Aufgabe zu, einen Übergang zwischen dem Tiergarten und den Hochbauten herzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Baumassen auch noch innerhalb des Blocks in der Höhe gestaffelt.

Das Gebäude hat zwei und drei Geschosse; es ist als Block oder Teil einer Wohnsiedlung gedacht. Es soll dazu beitragen, auch im Verband einer Großsiedlung ein individuelles Wohnen zu gestatten. Durch eine Auflockerung der Baumassen wird für die Bewohner ein ganz persönliches Wohnklima angestrebt. Diese beiden Punkte gehörten zu den wichtigsten Grundgedanken, von denen der Architekt bei dem Entwurf ausging.

Das Haus, das sich im Norden an eine neue Wohnstraße anschließt, liegt mit der Längsachse in Nord-Süd-Richtung; es ist 40 m lang, 13,50 m tief und 9 bis 12 m hoch. Der umbaute Raum beläuft sich auf 5815 cbm. Zum Nordteil des Hauses gehören Kellergeschoss und vier Wohngeschosse. Der Südteil ist nicht unterkellert; er hat ein Sockel- und drei Obergeschosse. lm Erdgeschoss liegen drei Wohnungen und ein überbauter, von Glaswänden umschlossener Kinderspielraum. lm Mittelteil sind Abstellräume für Fahrräder und Kinderwagen sowie ein Bastelraum vorgesehen. Diese Räume stehen ebenso der ganzen Wohngemeinschaft zur Verfügung wie die Dachterrasse über dem südlichen Gebäudeteil.

Die Gemeinschaftsräume - zu ihnen gehört auch ein Versammlungszimmer im Untergeschoss - weisen auf die Absicht des Architekten hin, eine Wohngemeinschaft in dem Wohnblock zu fördern. Kleine Hausgärten in nächster Nachbarschaft sollen den Mietern die Möglichkeit bieten, sich hier in ihrer Freizeit zu betätigen. Als Bautyp wurde die Dreispännerform gewählt, wobei die Wohnungen von den Podesten zugänglich sind, also versetzt werden. Durch diese versetzte Anordnung soll der Eindruck einer Häufung von Wohnungen vermieden werden. Von den beiden Treppenhäusern gehen im ersten und zweiten Obergeschoss je drei Wohnungen in jeder Etage ab. lm dritten Obergeschoss sind noch einmal vier Wohnungen vorgesehen.

Insgesamt entstehen in dem Bau 19 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 1117 qm. Die Größen der einzelnen Wohnungen entsprechen der augenblicklichen sozialen Wohnungsstruktur in Berlin. Sie bewegen sich zwischen zwei und drei Zimmern mit einer Wohnfläche von 47 bis 75 qm.
Das Gebäude ist konstruktiv im wesentlichen ein Schottenbau. Die Außenwände sind in Leichtbeton-Hohlblockmauerwerk in 24 bis 30 cm ausgeführt.

Trennwände bestehen aus 5 cm dicken Ziegelsplittplatten, und die Decken sind aus Vollbeton. Das Stahlbetonflachdach erhält über einer Isolierschicht als Deckung zwei Lagen bituminierter Pappe. Der Haussockel wird mit Klinkern verkleidet, die übrige Außenfläche mit Terranova oder Terrasit geputzt. Auch dieses Gebäude soll an die Fernheizung angeschlossen werden.

Statik und Bauleitung: Dipl.-Ing. Werner Jacob, Berlin
Gartengestaltung: C. Th. Sörensen (Kopenhagen) und
Wilhelm Hübotter (Hannover)

MAX TAUT
Max Taut (* 15. Mai 1884 in Königsberg; † 26. Februar 1967 in Berlin) war ein deutscher Architekt.
Max Taut wirkte wie sein älterer Bruder Bruno Taut als Architekt und wurde in den 1920er-Jahren durch seine sachlichen Bürobauten für die Gewerkschaften bekannt. Er war Mitglied der "Gläsernen Kette", der Novembergruppe und der avantgardistischen Architektenvereinigung des "Zehnerrings". Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker (1924-1926) in der Berliner Dudenstraße und das Warenhaus der Konsumgenossenschaften (1929-1932) am Oranienplatz gehören zu seinen wichtigsten Werken.
Max Tauts zukunftsweisende Leistung bestand in der Entwicklung des Rahmenbaus, der die Konstruktion zeigte und eine neue demokratische Offenheit des Bauens symbolisierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er an der heutigen Universität der Künste in Berlin eine neue Architekturschule. Zu seinen Nachkriegswerken gehören die Reutersiedlung (1948-1952) in Bonn und das Ludwig-Georgs-Gymnasium (1951-1955) in Darmstadt.
Max Taut wurde auf dem Friedhof des Choriner Klosters beerdigt.

Bauten
• Janusz-Korczak-Gymnasium, ehem. Knabenschule in Finsterwalde (1913)
• Verwaltungsgebäude des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin-Mitte (1922-1923)
• Zwei Häuser in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart (1927).
• Ehemaliges Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker in Berlin-Kreuzberg (1924-1926 [1])
• Alexander-von-Humboldt-Oberschule in Berlin-Köpenick, damals Oberlyzeum "Dorotheenschule" (1929)
• Gewerkschaftshaus Frankfurt am Main (1929-1931)
• Schulgruppe Nöldnerplatz in Berlin-Lichtenberg (1927-1932)
• Reichsknappschafthaus am Breitenbachplatz in Berlin (1930), gemeinsam mit Franz Hoffmann. - Im Bauhaus-Stil errichtetes Gebäude in Stahlskelettbauweise, Fassade mit Keramikplatten verkleidet (heute genutzt durch das Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin). Gebäudeaufnahme: [2]
• 1963/64 Umbau des Jagdschlosses Glienicke, wobei in die beiden unteren Geschosse eine Glaserker eingefügt wurde.
• Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt

Schriften
• Max Taut: Bauten und Pläne. Berlin 1927
• Alfred Kuhn: Max Taut - Bauten. Berlin 1932
• Max Taut: Berlin im Aufbau. Berlin 1946