Gebäude 20

Architekten: Fritz Jaenecke u. Sten Samuelson (Malmö/Schweden)
10 geschossiges Wohnhaus
Altonaer Straße 3-9 "Zeilen"-Hochhaus

Lage: An der Altonaer Straße, südlich des Hansaplatzes. Die Längsachse des Gebäudes verläuft von Ost nach West, so dass die Wohnungen nach Norden und Süden orientiert sind.
Konstruktion: Stahlbetonskelett mit Vollbetondecken. Die Betanquerwände ziehen sich teils als Vollwände, teils als Stützen durch die Geschosse. Die Giebelwände sind in Schwerbeton gegossen und mit Kunststeinplatten verblendet. Zwischen beide Elemente ist Isoschaum als Wärmedämmschicht eingebracht. Aus Schlackenbetonplatten wurden die nicht tragenden Wände gestellt. Die Ausfachungen der Außenwände bestehen aus vorfabrizierten Leichtbau-Fertigteilen; das Balkon- und Laubengangsystem - auch die Brüstungen - wurden dagegen in Beton gegossen. Betonstützen, Decken und Außenplatten sind in Sichtbeton erhalten geblieben.

Gliederung: Das Gebäude ist rund 35 m lang, 11 m tief und 31 m hoch. Das Erdgeschoss wird durch 4 Läden (385 qm), 4 Lagerräume (207 qm) und 3 Büros (216 qm) gewerblich genutzt, ein Teil bleibt zwischen tragenden Stützen als Freiplatz erhalten. Über dem Erdgeschoss liegen 9 Wohngeschosse. Die Wohnungen - je 2 an einem Podest - sind durch Aufzüge erschlossen. An der Nordseite sind aus Sicherheitsgründen Treppenhäuser angebaut. Die Treppen sind in allen Geschossen über Außengänge zu erreichen. Dem Hochhaus ist auf beiden Längsseiten ein durchgehendes Balkon- und Gangsystem vorgelagert. Auf der Südseite sind die Balkone jeweils vor einem Raum zu einer Loggia vertieft, im Norden sind sie als Nutzgänge zu den Treppen und zum zweiten Fahrstuhl bestimmt.

Wohnungen: Das Haus hat insgesamt 68 Wohnungen mit zusammen 6590 qm Fläche, davon sind 4 Fünfzimmerwohnungen (etwa 115 qm), die übrigen haben vier Zimmer (rund 95 qm). Die Wohnungen bieten eine Reihe von Variationsmöglichkeiten; so können die Küchen zum Beispiel unter verschiedensten Gesichtspunkten eingerichtet werden. In den neben den Küchen liegenden Badezimmern ist Platz für eine kleine Waschmaschine, in der ,,kleine Wäsche" gewaschen werden kann.
Angestrebt wurde ein enger Kontakt zwischen der Küche und dem davorliegenden Raum, der in Schweden ,,Allraum" heißt. Hier spielt sich das tägliche Leben der Familie hauptsächlich ab, wobei es freigestellt bleibt, das Zimmer beispielsweise als Spielraum für die Kinder oder als Arbeitsraum zu nutzen.

Nach schwedischem Muster hat das Gebäude Fußbodenheizung, die mit einer Wassertemperatur von 55 Grad Celsius betrieben wird, so dass die Oberflächentemperatur des Fußbodens etwa 25 Grad Celsius beträgt. Ein Teil der Wärme wird auch durch die Decke nach unten übertragen. Die Heizung ist in einem 5 cm dicken Estrich einbetoniert, der mit Linoleum beklebt oder mit Platten belegt ist. Die an den Außenwänden liegenden Rohre der Fußbodenheizung sind mit einer Asbestfolie abgedeckt, um die Wärmeableitung über die ins Freie führenden Betonteile zu mindern. Überhaupt sind die Außenwände durch moderne Isolierstoffe besser gegen Wärmeverluste geschützt, als sich dies mit einer 58 cm dicken Ziegelmauer erreichen ließe. Alle Fenster wurden mit drei Scheiben verglast.
Die Geräusch erzeugenden lnstallationen wurden abseits der Schlafzimmer, rund um die Fahrstühle, zusammen mit den Müllschluckern zu einer Installationseinheit zusammengefasst. Die Wohnungen haben 2 Abstellräume; einer ist für die Aufbewahrung von Wäsche und Garderobe, der andere zum Abstellen größerer Gegenstände (Koffern, Leitern, Reserve-betten usw.) bestimmt. Während der Interbau wurde ein Teil der Wohnungen mit schwedischen Möbeln eingerichtet.

Statik: Dipl.-Ing. Günter Robenhagen (Berlin)
Prüfingenieur: Dr.-Ing. Hans Dienst (Berlin)
Bauleitung: Reg.-Baumeister a. D. Werner Berndt (Berlin)

FRITZ JAENECKE, STEN SAMUELSON
Fritz Jaenecke, *1903 in der Kolbitz-Letzlinger Heide, †1978 in Malmö. Er begann sein Architekturstudium in Dresden und beendete es in Berlin bei Hans Poelzig, bei dem er auch nach seinem Studium weiter tätig war (Kraftwerk, Schulau, IG Farben, Wohnungsbau). 1931 gründete er zusammen mit Egon Eiermann ein Architekturbüro, das Villen- und Geschäftsbauten, Möbelentwürfe und die Ausstellung „Das wachsende Haus“ bearbeitete. Ab 1933 war Jaenecke auch in Schweden tätig. Er begann seine Zusammenarbeit mit schwedischen Architekten, u. a. auch mit städtebaulichen Arbeiten. 1937 erfolgte seine endgültige Übersiedlung nach Malmö. Zunächst hatte er Anfangsschwierigkeiten, welche erst 1943 durch den Erhalt der schwedischen Staatbürgerschaft ausgeräumt werden konnte. Mit dem eigenen Büro stellten sich auch Wettbewerbserfolge ein. Außerdem begann Jaenecke mit seiner Arbeit an der Mechanisierung des Wohnungsbaus. In Zusammenarbeit mit Sten Samuelson wurde ein Wohnhaus geplant, dass mit Maschinen und Kran von angelernten Arbeitern hergestellt werden konnte - eines der ersten Beispiele einer mechanischen Baumethode im Wohnungsbau Europas.

Sten Samuelson, geboren 1926 in Lund (Südschweden). Nach dem Studium an der Technischen Hochschule in Stockholm arbeitete er in verschiedenen Büros in den USA. Nach seiner Rückkehr war er seit 1948 in der Regierungsbehörde und im Provinzialausschuss für den Wohnungsbau tätig. 1950 trat er in Fritz Jaenickes Büro ein. Gemeinsam bearbeitetensie verschiedene Wohn- und Industrieprojekte (Wohngebiet „Sorgenfri“ in Malmö, „Hertingbostäder“ in Falkenberg: weiterhin Projekte in Kalmar, Lund, Trelleborg und Sandviken in Nordschweden) sowie Krankenhaus- und Geschäftshaus-Projekte. Prominente Planungen des Büros waren die Stadien in Göteborg und Malmö für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 in Schweden.