Gebäude 22

Architekt : Alvar Aalto, Helsinki/Finnland
8 geschossiges Wohnhaus
Zeilen-Haus Klopstockstrasse 30-32

Lage: Südwestlich des Hansaplatzes, zwischen Klopstockstraße und neuer Bücherei. Die Längsachse des Hauses verläuft in Nord-Süd-Richtung.

Konstruktion: Das Gebäude wurde über einem asymmetrischen Grundriss errichtet, der etwa die Form eines sich nach Osten öffnenden U hat. Der eine U-Schenkel ist 20, der andere 22m lang, die Stegtiefe erreicht etwa 10 m. Bei einer Bauhöhe von 28 m beläuft sich der umbaute Raum auf 26.752 cbm.

Die Außenwände bestehen aus 20 cm starkem, bewehrtem Ziegelsplittbeton. Sie sind außen mit Leca-Platten verkleidet. Diese Verkleidung wurde zusammen mit dem Rohbau hochgezogen. Die tragenden Innenwände sind aus 17,5 cm dickem Beton, der zur besseren Schall- und Wärmeisolierung mit Dämmplatten belegt und geputzt worden ist. Die Decken bestehen aus Ziegelsplitt-Vollbetonplatten, die 17 cm dick und gut isoliert sind.

Gliederung: Über dem Keller mit einer Waschanlage und den üblichen Abstellräumen liegen das Erdgeschoss, 7 Vollgeschosse und das Dachgeschoss. Der Mittelteil des Hauses - über dem Steg des Grundrisses - ist überdachter Freiplatz. Er ist über eine Treppe an der Ostseite und eine Rampe im Westen zugänglich.
Zwei Treppenhäuser mit je einem Personen- und Lastenaufzug und einem Müllschlucker erschließen das Gebäude. Ein großer Teil der Dachfläche wird als ein den Mietern zur Verfügung stehender Freiplatz ausgebaut.

Wohnungen: Die Gesamtwohnfläche von 5732 qm ist auf 78 Wohnungen der verschiedensten Typen aufgeteilt. Während im Erdgeschoss - infolge des Freiplatzes – nur 8 Wohnungen liegen, haben die übrigen Stockwerke je 10. In jeder Etage befinden sich folgende Wohnungstypen: Einzimmer (1), zwei Zimmer (2), zweidreihalb Zimmer (1), dreieinhalb Zimmer (1), dreizweihalb Zimmer (5), viereinhalb Zimmer (2). 24 Wohnungen haben eine Grundfläche von 58 bis 45 qm, 8 sind 77 qm groß, und die Grundfläche von 46 beträgt 85 bis 90 qm.
Die Ein- und Zweizimmerwohnungen haben nur eine Kochnische, während zu den größeren Typen eine Küche gehört, in der ein besonderer Essplatz vorgesehen ist. Mit Ausnahme der Einzimmerwohnungen haben alle anderen eine tief eingezogene Loggia vor dem Hauptwohnraum. Diese ist jedoch auch von den anderen angrenzenden Räumen aus zugänglich.
Besondere Sorgfalt hat der Architekt auf die Ausstattung der Wohnungen gelegt. Alle hohen Einbauschränke und -küchen, die Innenküchen werden durch eine Absaugvorrichtung künstlich entlüftet. In die Hauptwohnräume sind Faltwände eingebaut, so daß man auch in kleinen Wohnungen den Schlafteil völlig vom Wohnteil trennen kann.
Wie alle hohen Gebäude im Hansaviertel ist auch dieses Haus an die Fernheizung angeschlossen. Die Räume werden durch Plattenkörper beheizt, eine in Aaltos Heimat, Finnland, häufige Form der Heizungsinstallation.

Kontaktarchitekt: Professor Dipl.-lng. Paul Baumgarten (Berlin)
Statik: Dipl.-lng. Fritz Witt (Berlin)
Prüfingenieur: Gustav Heu (Berlin)
Bauleitung: Werner Lübcke (Berlin)
Gartengestaltung: Professor Hertha Hammerbacher (Berlin) und
Edvard Jacobson (Karlstad, Schweden)

ALVAR AALTO
Hugo Alvar Henrik Aalto (* 3. Februar 1898 in Kuortane, Finnland; † 11. Mai 1976 in Helsinki, Finnland), war ein finnischer Architekt und Designer.
Alvar Aalto wurde bekannt für seine besonderen Konzeptionen im Bereich des organischen Bauens. Ein relativ bekanntes Designerstück von Aalto ist die Aalto-Vase.
Aalto studierte Architektur von 1916 bis 1921 am Polytechnikum in Helsinki. Sein Lehrmeister dort war Armas Lindgren. 1923 eröffnete Aalto nach einer ausgedehnten Studienreise durch Europa ein eigenes Architekturbüro in Jyväskylä. 1927 verlegte er das Büro nach Turku, 1928 wurde er Mitglied des Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM).
1933 ging Aalto nach Helsinki. 1935 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Aino die Möbelfirma Artek. In diesem Rahmen erfolgt dann auch die Patentierung des ersten freitragenden Stuhlrahmens aus Holz. Ab 1940 war Aalto Professor für Architektur am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Insgesamt beteiligte sich Aalto an etwa 200 Projekten, wobei etwa die Hälfte seiner Entwürfe auch zur Ausführung kam.
Alvar Aalto war mit Aino Marsio verheiratet, die 1949 starb. 1952 heiratete er Elissa Mäkiniemi. Seine Frauen zeichneten für alle Entwürfe mit verantwortlich.
Alvar Aalto wurde auf dem Westfriedhof (Läntinen hautausmaa) in Helsinki beigesetzt.
• Haus der Arbeiter, Jyväskylä, 1925
• Gebäude der partiotischen Vereinigungen, Jyväskylä, 1929
• Redaktionsgebäude der Zeitung Turun Sanomat, Turku, 1929
• Villa Tammekann, Tartu, Estland, 1932
• Tuberkulose-Sanatorium Paimio 1933
• Stadtbibliothek Viipuri, jetzt Wyborg, Russland, 1927-1935
• Ravintola Savoy (Restaurant), Helsinki, 1937 (komplett erhaltenes Aalto-Interieur; immer noch Restaurant)
• Finnischer Pavillon, Weltausstellung Paris, 1937
• Villa Mairea, Noormarkku, Finnland, 1937-1939
• Finnischer Pavillon, Weltausstellung New York, 1939
• M.I.T. Senior Dormitory - Baker House, Cambridge, Massachusetts, 1947-1949
• Wohnanlagen in Sunila, 1936-1939 und 1951-1954
• Rathaus, Säynätsalo, 1952
• Vogelweidplatz Sportzentrum und Konzerthaus, Wien, 1953
• Finnischer Pavillon auf der Biennale, Venedig, 1956
• Wohnhaus für die Interbau, Berlin, 1957
• Maison Carrée bei Paris, 1956-1958
• Haus der Kultur, Helsinki, 1958
• Kunstmuseum, Bagdad, 1958
• Kirche "Drei Kreuze" (finnisch Kolme Ristiä), Imatra, Finnland, 1958
• Bürogebäude der Enso-Gutzeit Helsinki, 1959-1962
• Kirche "Kreuz der Ebene" (finnisch Lakeuden Risti), Seinäjoki, Finnland, 1960
• Hochhaus der Satellitenstadt Neue Vahr, Bremen, 1962
• Kulturzentrum, Leverkusen, 1962
• Heilig-Geist-Kirche, Klieversberg, Wolfsburg, 1958-1962
• Alvar-Aalto-Kulturhaus, Stadtmitte, Wolfsburg, 1963
• Technische Universität Helsinki, Espoo, 1964
• Bürogebäude der British Petroleum, Hamburg, 1964
• Gemeindezentrum und die Kirche, Seinäjoki, 1965
• Stadtzentrum, Castrop-Rauxel, 1965
• Gemeindezentrum, Zürich-Altstetten, 1967
• Wohnhochhaus Schönbühl, Luzern, 1968
• Stephanuskirche, Detmerode, Wolfsburg, 1968
• Finlandia-Halle, Helsinki, 1962-1971
• Kunstmuseum Ålborg, 1963-1972
• Er plante und begann den Bau des Opernhauses in Essen, das jedoch erst nach seinem Tod im Jahre 1988 fertig gestellt wurde.
• Café Aalto, Akateeminen Kirjakauppa, Helsinki (postum aus Möbeln eines abgerissenen Cafés)