Gebäude 29

Architekt: Arne Jacobsen, Kopenhagen
4 eingeschossige Einfamilienhäuser
Händelallee 33-39

Die Häuser werden atriumartig um offene Innenhöfe erbaut. Sie gehören zu den niedrigen Bauten, die im Süden des Hansaviertels vom Park des Tiergartens zu der höheren Bebauung im Norden überleiten. Nach Süden sind sie geöffnet und im Norden an eine Wohnstraße angeschlossen.

Der Anordnung der Baukörper um die Innenhöfe lag der Gedanke zugrunde, den Bewohnern auch im Freien einen Aufenthalt zu gestatten, der weder von den Nachbargebäuden aus, noch von der Straße her beobachtet werden kann. Gleichzeitig hat der Architekt damit erreicht, dass der größte Teil der Räume zur Sonne orientiert liegt.

Die Häuser gliedern sich in zwei Hauptriegel, die von den Innenhöfen getrennt, aber durch einen Mitteltrakt verbunden werden. In diesem Mittelteil liegt die Wohnküche als zentraler Raum des Hauses, der auch als Aufenthaltsraum für die Familie vorgesehen ist. Sie hat eine Verbindung zum Hofraum. Durch die Gliederung des Hauses in zwei Teile ist der Schlafteil von dem großen Wohnraum klar getrennt worden. Das hat den Vorteil, dass das Wohnzimmer von jedem „Durchgangsverkehr“ frei gehalten wird.

Auf der Straßenseite (im Norden) wird ein für Fahrräder, Mülltonnen usw. bestimmter Abstellraum eingebaut, der nur von außen zu öffnen ist. Ferner liegen auf der Nordseite neben einem inneren Abstellraum, Eltern- und zwei Kinderschlafzimmer. Die Nebenräume sind also bewusst zur Straße gekehrt, damit sie als zusätzliche Schalldämmung für die Schlafräume wirken. Dies wird durch die im Norden recht geschlossene Fassade unterstrichen. Aufgeschlossen dagegen ist der ruhige, gegen den Hof gekehrte Teil des Hauses, der große Fensterfronten hat. Ein großes Blumenbeet stellt zwischen den beiden Teilen des Hauses eine zusätzliche Verbindung her; da es sich bis in den Wohnraum hineinzieht, sind auch „draußen“ und „drinnen“ eng miteinander verbunden.

Als Heizung dient, wie bei den niedrigen Nachbargebäuden, eine elektrische Speicherheizung. Die Heizkörper werden dabei so angeordnet, dass sie wie eine halbhohe Wand in den Wohnraum ragen. Diese Abgrenzung wird man individuell, zum Beispiel durch eine Glaswand oder einen Vorhang, markieren können, so dass dadurch ein Nebenraum, ein Arbeitszimmer etwa, entstehen kann. Die Nordseite des Flurs entlang der Schlafräume wird in ihrer ganzen Länge von eingebauten Schränken eingenommen.

Die etwa 140 qm großen Häuser werden zum größten Teil aus Gasbetonplatten errichtet. Für verschiedene Wandteile sollen Holzelemente verwandt werden.

Statik: Dipl.-Ing. Hans G. Rochow (Berlin)
Örtliche Bauleitung: Architekt Bert Gerhards (Berlin)
Gartengestaltung: Ernst Cramer (Zürich)
und Otto Valentien (Stuttgart-Riedenberg)

ARNE JACOBSEN

Arne Emil Jacobsen (* 11. Februar 1902 in Kopenhagen, † 24. März 1971 ebenda) ist ein weltberühmter dänischer Designer und Architekt.
Jacobsen ist dem modernen Funktionalismus zuzuordnen (Beeinflussung durch: Mies van der Rohe, Le Corbusier, Bauhaus).
1927 machte er seinen Abschluss an der Königlich Dänischen Kunstakademie. Danach arbeitete er als Architekt.
Jacobsens Architektur zeichnet sich durch eine klare, an Geometrie und Material orientierter Formensprache aus. Diese leitete sich dabei weniger, wie es gern dargestellt wird, aus der Funktion ab (form follows function), sondern entsprang dem rigiden modernistischen Konzept Jacobsens, dem sich auch im privaten Alltag auch dessen Familie unterwerfen musste. Jacobsen galt Kritikern als architektonischer Diktator, der Gebäude so rigide durchgestaltete, dass es keinen Raum für persönliche Änderungswünsche gab.
Sein wohl bekanntestes Werk auf diesem Gebiet ist das SAS Royal Hotel in Kopenhagen von 1960: Arne Jacobsen gestaltete es von Grund auf, sowohl das Gebäude als auch die komplette Inneneinrichtung, leider ist davon nach vielfältigen Umbauten kaum noch etwas erhalten. Jacobsen hat auch in Deutschland errichtete Gebäude entworfen, unter anderem das Gebäude des Gymnasiums Christianeum in Hamburg-Othmarschen und das Gebäude der Hamburgischen Electricitäts-Werke in der Hamburger City-Nord im Stadtteil Winterhude. Weitere Entwürfe von Jacobsen wurden in Berlin, Hannover, Mainz (Rathaus), Castrop-Rauxel sowie in Burgtiefe auf Fehmarn realisiert.
Im Gegensatz zu den architektonischen Arbeiten orientierten sich viele seiner Design-Projekte stark an organischen Formen. Jacobsen entwickelte hieraus an die Formensprache abstrakter Kunst erinnernde Objekte, die sich durch eine prägnante und klare Gestalt auszeichneten. Ein Hintergrund dieser anderen Akzentsetzung im Designbereich dürfte Jacobsens Naturverbundenheit gespielt haben - Jacobsen war passionierter Botaniker. Populär wurden mehrere seiner Sitzmöbel, die ab 1950 entstanden. Diese tragen Namen wie „Ameise“, „Ei“, „Schwan“ oder „3107“. Letzterer ist der meistverkaufte Stuhl aller Zeiten. Ebenfalls sehr bekannt wurde seine Essbesteckserie „AJ“; Stanley Kubrick wählte sie für den in den 60er Jahren gedrehten Film „2001: Odyssee im Weltraum“. Jacobsens für den Hersteller Stelton entworfene Gebrauchsgegenstände aus Edelstahl sind moderne Klassiker. In seinem Werk spiegelt sich sein Perfektionismus wieder. Er soll fast permanent gearbeitet haben. Erholung bestand für ihn darin, sich einem anderen Bereich kreativer Betätigung zuzuwenden.