Gebäude 33

Architekten: Sergius Ruegenberg und Wolf von Möllendorff, Berlin
3 Einfamilienhäuser
Händelallee 59

Die Häuser im Südwestzipfel der Gruppe eingeschossiger Bauten im Süden des Hansaviertels werden durch eine neu angelegte Wohnstraße von Norden her erschlossen. Ihr Entwurf war durch folgende Grundgedanken bestimmt:
Das ebenerdige Haus hat gegenüber der geschichteten Geschosswohnung eine bessere Möglichkeit, Beziehungen zur Erde, zum offenen Himmel und nach allen Seiten aufzunehmen. Diese engen Beziehungen zur Umwelt auch in der Form der Häuser sichtbar zu machen war das Hauptanliegen der Architekten. Nach ihrer Schilderung begegnen die Ostfenster dem Tagesanbruch und wenden sich den ersten Sonnenstrahlen zu. Diese berühren den Schläfer, mischen sich beim Duschen mit dem Wasser und begegnen den Aufgestandenen wieder am Frühstückstisch.
Zum feierabendlichen Freiraum steigen die Dächer an, so dass hier ein hohes Fenster entsteht: die Verquickung von Wohnzimmer und Gartenraum. In dieser Sphäre belebt am Nachmittag das Sonnenlicht das ganze „Nest“, an dessen Rand die Küche, der Wohnraum, das Sportbad und das Elternstudio liegen. - Nach der kühleren Seite wenden sich andere Fenster, die Arbeitsplätze liegen im Schatten. Im Norden bieten Wände Schutz gegen Wind und die Betriebsamkeit der Straße. Hier liegt der Vorplatz der Eingänge und Garagen.
Durch einen vier Meter langen, auf beiden Seiten verglasten Gang ist ein frei stehender Elternpavillon zu erreichen. Dieses aus Schlafzimmer und Studio bestehende Gehäuse soll den Eltern das Gefühl einer ganz neuen Freiheit innerhalb des Familienlebens geben. Die Begegnung, der Treffpunkt der Familie zu gemeinsamem Gespräch, zu abendlicher Geselligkeit mit Freunden, zum Vortrag, Fernsehen usw. hat ebenfalls ihren eigenen Ort inmitten des Hauses. In der Erkenntnis, dass sich bedeutende Lebensabschnitte der Familie im Freien äußern, ist dafür gesorgt, dass diese Äußerungen zu Hause, in dem auf das engste mit dem Haus verbundenen Wohngarten stattfinden können. So entsteht aus den inneren Anlässen des Familienlebens, aus den mannigfaltigsten Wünschen des Lebens auch nach außen hin in Grundriss und Gestalt der Häuser eine sichtbare Lebendigkeit.
Während die beiden östlichen Häuser völlig ebenerdig sind, Grundfläche 186 qm, hat das mit 215 qm etwas größere im Westen einen zusätzlichen Raum, der um ein Geschoss erhöht ist und über das Erdgeschoss vorragt. Er ist von der Eingangshalle aus erreichbar.
Bei diesen Bauten beschränkt sich die Ausführung auf die einfachsten Mittel, denn im Vordergrund steht die Entwurfsidee. So werden die Wände aus Ziegelmauerwerk errichtet, das nicht geputzt, sondern geschlämmt wird. Für die schrägen Pultdächer werden vorgefertigte armierte Platten aus Gasbeton verwandt. Die zur Hälfte unterkellerten Häuser werden, ebenso wie die anderen Flachbauten im südlichen Teil des Hansaviertels, durch eine elektrische Speicherheizung erwärmt.

Gartengestaltung: Ernst Cramer (Zürich) und
Otto Valentien (Stuttgart-Riedenberg)

VON MÖLLENDORF, SERGIUS RUEGENBERG
Sergius Ruegenberg, *17. Januar 1903 in Sankt Petersburg/Russland; †23. März 1996 in Berlin. Nach dem Besuch der Berliner Ingenieurschule für Bauwesen, von 1920 bis 1924 arbeitete er bei Bruno Paul und war anschließend sechs Jahre Mitarbeiter bei Ludwig Mies van der Rohe in Berlin und Barcelona. 1931 erhielt er gemeinsam mit H. A. Ritter den Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste für junge Architekten. 1935 wurde Ruegenberg Leiter der Entwurfsabteilung dür den Flughafenbau der deutschen Verkehrsfliegerschulen. Nach dem Krieg war er Mitarbeiter von Hans Scharoun an der Technischen Universität Berlin, mit dem er Wettbewerbserfolge bei der Amerika Gedenkbibliothek und für den Wiederaufbau Helgolands hatte. Seit 1953 arbeitete er mit Wolf von Möllendor zusammen. Beide erhielten den 3. Preis im städtebaulichen Wettbewerb zum Aufbau des Hansaviertels.

Wolf von Möllendorf, geboren 1908 in Frankfurt an der Oder. Er studierte bei Heinrich Tessenow an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Nach seinem Diplom1935 arbeitete er bei Werner March und danach als leitender Architekt auf Großbaustellen der Verkehrsfliegerschulen. 1939 wurde er Dozent an der Berliner Ingenieurschule für Bauwesen und 1942 Baurat. Nach dem Krieg projektierte von Möllendorf Siedlungen und Wohnungen. Er veröffentlichte einige Bücher, darunter „Lebendiges Baue“. Von Möllendorf erhielt bei einigen Wettbewerben Preise, die auch zu Bauaufträgen führten. Seit 1953 hatte er ein gemeinsames Büro mit Sergius Ruegenberg.