Gebäude 34

Architekt: Sep Ruf, München
2 Einfamilienhäuser
Händelallee 55-57

Die Häuser gehören zu der Gruppe der niedrigen Bebauung im Süden des Hansaviertels. Ihre Längsachse verläuft in Nord-Süd-Richtung. Diese Lage bedingt an sich eine Orientierung der Zimmer nach Osten und Westen, reduziert jedoch das Öffnen der Baukörper nach Süden auf ein Minimum. Um diesen Nachteil nicht in Kauf nehmen zu müssen, wählte Ruf einen L-förmigen Grundriss: der kurze Schenkel des L mit dem Wohnteil ragt im Nordteil der Häuser nach Osten vor, so dass der Wohnflügel nach Süden orientiert werden kann.
In dem rechten Winkel, den der Wohnteil und der Schlafteil mit seinen noch Osten weisenden Fenstern bildet, liegt als „grünes Zimmer“ der Garten.
Vom Eingang aus kommt man zunächst in die „Kernzone“ des Hauses, in der Diele, Küche, Abstellkammer und WC konzentriert sind. Der Dielenkomplex wird unterkellert. Die Diele, die auch als Essplatz geeignet ist, leitet in den Wohnflügel über. Außerdem ist in diesem Teil des Gebäudes noch ein kleinerer Raum vorgesehen, der als Arbeitsraum, zusätzliches Kinder- oder Mädchenzimmer eingerichtet werden kann.
Charakteristisch für die Häuser ist ein von der Diele nach Süden führender langer Gang, der den Schlafteil erschließt. Auf seiner Ostseite liegen, mit Fenstern zum Garten, ein Eltern- und zwei Kinderschlafzimmer sowie das Bad. Die Westseite des Ganges wird in ganzer Länge von eingebauten Schränken eingenommen. Dadurch wird der der Straße ab- und dem Garten zugewandte Charakter des Hauses noch unterstrichen. Außerdem sind durch diese Gliederung die Schlafräume zusätzlich gegen Straßengeräusche abgeschirmt. Eine Mauer entlang dem Gehsteig im Westen der Grundstücke verhindert einen Einblick in die Gärten. Die beiden Garagen liegen nebeneinander im Süden der Häuser. Die Garagen hoben eine Grundfläche von 16 qm.
Die beiden Häuser haben bei einer Grundfläche von 145 qm einen umbauten Raum von 500 cbm. Sie werden auf Betonfundamenten aus Ziegelmauerwerk errichtet (Berliner Bärenziegel und Hohlblocksteine). Die Wände sind 30, 24 und 11,5 cm dick. Die Trennwände zwischen dem Gang und den Schlafräumen bestehen aus Holzfachwerk mit Porenbetonstein-Ausmauerung und einer schlicht furnierten Sperrholzverkleidung, deren sichtbare Flächen mit Tuffmatt behandelt werden.

Alle übrigen Innenwände und die Decken erhalten einen Kalkmörtelputz. Die verfugten Wände der Außenfassade werden mit einem wetterbeständigen Anstrich versehen.
In den Häusern wird eine Elektro-Speicherheizung installiert, die vom Abstellraum aus geregelt wird. Die in den Räumen aufgestellten Heizkörperblöcke werden mit verfugten Klinkersteinen ummantelt und mit einer glattpolierten 20 cm dicken Platte aus Asbestzement abgedeckt.

Gartengestaltung: Ernst Cramer (Zürich) und
Otto Valentien (Stuttgart-Riedenberg)

SEP RUF
Sep Ruf, eigentlich Franz Joseph Ruf (*9. März 1908 in München; †29. Juli 1982 in München). Nach dem Studium an der Münchner Technischen Hochschule war er seit 1931 als selbständiger Architekt tätig. Vor dem Krieg baute er mehrere Einfamilienhäuser in Westfalen, München und Oberbayern. Nach 1945 plante er verschiedene öffentliche und Verwaltungsgebäude sowie Wohnbauten im süddeutschen Raum, u. a. Bauten der Bayerischen Staatsbank in München, Nürnberg, und Erlangen, der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg sowie Wohn- und Kirchengebäude. In wechselnden Konstellationen (u. a. mit Theo Pabst) bearbeitet er die Planung verschiedener Verwaltungsgebäude, mit Egon Eiermann den Deutschen Pavillon für die Weltausstellung 1958 in Brüssel. 1947 wurde er Professor an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg. Seit 1953 hatte Ruf eine Professur für Architektur an der Akademie für Bildende Künste in München.